Der Computer ... das unbekannte Wesen

Abstract 2002: Knecht, Kollege, Kasten, bester Freund und größter Feind, Staubfänger, Arbeitstier, Suchmaschine, "das Buch mit sieben Siegeln", nützlich, nervenaufreibend, unhandlich – aber eigentlich ganz nett. Die Titel, die sich der Computer für uns erkämpft, ließe sich vielfältig fortsetzen, doch was ist er letztendlich wirklich? Was ist er ontologisch wissenschaftlich betrachtet? Und, ist er überhaupt?
Meine Diplomarbeit sollte sich dieser Frage annehmen, wollte das Wesen dieser Maschine ergründen und versuchen dieses Wesen formal und begreifbar auszudrücken. Nach der gestalterischen Frage: "Was ist es in sich selbst?", sollte versucht werden, den Computer zugänglicher, einfacher und für uns verständlicher erscheinen zu lassen. In einer Sichtung relevanter medientheoretischer Thesen und ontologischen Aussagen zu einem Wesen wurde allerdings schnell klar: ,,Der Computer ist nicht, sondern ek-sistiert nur in den Oberflächen die er zu simulieren gestattet." (Tholen 2001) Der Computer – eine multiple Persönlichkeit also, die multiple sein kann, weil sie immateriell ist. Doch Immaterielles ist wiederum nicht, denn das Sein-können, ist auch immer ein da/dort Sein-können. Der Mensch mit physischer Sensorik ist auf dieses physische Gegenüber angewiesen, um Dinge wahrnehmen und erkennen zu können. Wie also ließe sich ein Wesen formal ausdrücken, dass im wesentlichen nie zu fassen ist? Möglichkeit: Metaphorisch. In einem semantischen Profilierungsprozess standen sich viele Assoziationen zu den essentiellen Bestandteilen des Computers gegenüber. Die Bestandteile sollten in diesem Fall das Volumen (ER!, das Hirn, die Monas), die Fläche (die Oberfläche, die Schnittstelle, sein Körper), und die Struktur (die Verbindung von Fläche und Volumen) bilden. Die Sprechblase wurde als favorisierte Metapher auf die Oberfläche gewählt. Sie sollte kristallklar ausgeführt das Erscheinen der jeweiligen Identitäten unterstreichen und als Entlehnung aus der Cartoonkultur den Verweis auf die dominierende Bildwelt der Hypertextära liefern. Der Äther sollte Fläche und Volumen verbinden. Die Luft als Struktur und liquide Datenautobahn sollte so unsere zukünftigen "Interfaces" mithilfe neuartiger Technologien dem Körper näher bringen und dem Stecker- und Kabelsalat ein Ende setzten. Die Kugel sollte schließlich als Metapher auf "Welt" das Ensemble komplettieren. Als Gleichnis auf die ontologische Dimension der Monas (Einheit), mit deren Hilfe Leibniz die binäre Arithmetik entwickelt hatte, und aufgrund ihrer unzugänglichen Aura, konnte sie sich gegenüber anderen geometrischen Volumina durchsetzten. Diese rein semantische Lösung sollte gegenüber technischen und ergonomischen Erfordernissen das Modell formal am deutlichsten prägen, denn die Arbeit – so auch ihr Titel – versuchte das Wesentliche zu treffen, und verzichtete somit auf das Unwesentliche ...
2002